

Europäische Tage des Kulturerbes 2026: Kostenlose Führungen in San Romerio, einer mittelalterlichen Kirche, die auf fast 1.800 m Höhe über dem Poschiavo-See thront.
Die Europäischen Tage des Kulturerbes lenken im Jahr 2026 die Aufmerksamkeit auf die Gefahren, die unserem Kulturerbe drohen, und laden dazu ein, gemeinsam neue Wege zu finden, um es zu bewahren und aufzuwerten. Historische Gebäude, archäologische Zeugnisse und Traditionen erzählen Geschichten, die es verdienen, weitergegeben zu werden. Auch Hindernisse wie Vorschriften, Verwaltungsgrenzen und geteilte Zuständigkeiten können zu Anlässen werden, kreative Lösungen und neue Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln.
Hoch oben auf einem Felsen in fast 1.800 Metern Höhe über dem Poschiavo-See bewahrt die kleine mittelalterliche Kirche San Romerio fast tausend Jahre Geschichte. Ihre Lage ist nicht nur landschaftlich aussergewöhnlich: San Romerio liegt auf Schweizer Gebiet, im Valposchiavo, gehört aber zur italienischen Gemeinde Tirano. Eine besondere Situation, die ein konkretes Zeugnis für die tiefen historischen Verbindungen zwischen dem Valposchiavo und dem Gebiet von Tirano darstellt, die im Laufe der Zeit jedoch auch eine Herausforderung für den Erhalt des Gebäudes darstellte.
Aufgrund ihrer besonderen grenzüberschreitenden Lage wurden die für den Erhalt der Kirche notwendigen Massnahmen viele Jahre lang aufgeschoben. Der Zahn der Zeit, die Witterungseinflüsse und die statischen Gegebenheiten des Gebäudes machten ein Eingreifen jedoch immer dringlicher. Seit 2013 wurde San Romerio daher schrittweise den notwendigen Konsolidierungs-, Erhaltungs- und Restaurierungsarbeiten unterzogen. Ein langer und anspruchsvoller Weg, der sich nicht auf den rein baulichen Erhalt des Gebäudes beschränkte. Die Arbeiten ermöglichten es, durch neue archäologische und architektonische Untersuchungen das Wissen über die Kirche zu vertiefen, und erforderten gleichzeitig, die Schwierigkeiten, die sich aus ihrer einzigartigen administrativen und geografischen Lage ergaben, konkret anzugehen.
Gerade diese Erfahrung zeigt, wie sich eine Grenzlage von einem möglichen Hindernis in eine Chance verwandeln kann: San Romerio kann wieder nicht nur ein zu erhaltendes Denkmal sein, sondern ein Ort der kulturellen, historischen und grenzüberschreitenden Begegnung.
EIN TAG ZWISCHEN GESCHICHTE UND WIEDERAUFLEBEN Anlässlich der Europäischen Tage des Kulturerbes in der Schweiz lädt die Stiftung San Romerio die Öffentlichkeit ein, die Ergebnisse dieses langen Weges zu entdecken und eines der einzigartigsten Denkmäler des Alpenraums aus nächster Nähe kennenzulernen.
Am Samstag, dem 12. September 2026, stehen drei (kostenlose) Führungen um 10:30 Uhr, 14:00 Uhr und 15:30 Uhr auf dem Programm (Anmeldung per E-Mail erforderlich: info@sanromerio.org), begleitet von den Projektleitern Dario Foppoli und Evaristo Zanolari. Die Führungen geben einen Überblick über fast tausend Jahre Kirchengeschichte und beleuchten dabei insbesondere die besondere Lage der Kirche zwischen dem Valposchiavo und Tirano sowie die Rolle von San Romerio als Zeugnis der historischen Beziehungen zwischen den beiden Gebieten.
Diese letzte Etappe der langen Geschichte von San Romerio zeigt zudem, wie ein gefährdetes Kulturerbe wiederbelebt werden kann, wenn sein Schutz zu einer gemeinsamen Verpflichtung wird und die Grenze, anstatt zu trennen, zu einer Gelegenheit der Zusammenarbeit und der Begegnung wird.